Kognitive Verzerrungen im Forex
Kognitive Verzerrungen im Forex sind weder Dummheit noch Unaufmerksamkeit. Es sind stabile Arten der Informationsverarbeitung, die im Alltag Kraft sparen und am Devisenmarkt systematisch Geld kosten. Eine Verzerrung zu kennen hebt sie nicht auf, deshalb steht hier zu jeder nicht «daran denken», sondern eine konkrete Handlung.
Acht Verzerrungen, die man im Trade-Bericht sieht
Ausgewählt sind jene, die Spuren in der Statistik hinterlassen: Man kann sie im eigenen Handelsjournal finden und nicht nur in einer Beschreibung wiedererkennen.
| Verzerrung | Wie sie am Terminal aussieht | Spur in der Statistik |
|---|---|---|
| Spielerfehlschluss | «Vier Stopps in Folge — der fünfte trifft sicher» | Volumenwachstum gegen Ende einer Verlustserie |
| Kontrollillusion | Mehr Indikatoren und mehr Zeit am Chart um des «Verstehens» willen | Die Trade-Zahl wächst, die Trefferquote nicht |
| Bestätigungsfehler | Nach dem Einstieg werden nur die Analysen gelesen, die für Ihre Seite sprechen | Der Stopp wandert, der Take nicht |
| Verlustaversion | Gewinne werden schnell mitgenommen, Verluste ausgesessen | Der durchschnittliche Gewinn ist kleiner als der durchschnittliche Verlust |
| Sunk-Cost-Fehler | «Ich habe schon so lange ausgehalten, jetzt zu schließen wäre dumm» | Lange Verlustpositionen, große Swaps |
| Rückschaufehler | «Ich habe doch gesehen, dass es dreht» — nach der Wende | In der Trade-Auswertung gibt es keine Fehler, nur «Pech» |
| Rezenzeffekt | Die Regeln ändern sich nach den letzten beiden Trades | Eine Strategieversion lebt weniger als einen Monat |
| Systematische Selbstüberschätzung | Das Volumen wächst nach drei Gewinntrades | Der größte Verlust folgt direkt auf die beste Serie |
Spielerfehlschluss im Forex: warum eine Serie nicht enden «muss»
Das Gehirn sucht eine Gesetzmäßigkeit dort, wo es keine gibt. Nach vier Verlusten in Folge scheint es, der fünfte Trade müsse gewinnen — «nach der Wahrscheinlichkeitstheorie». Die Wahrscheinlichkeitstheorie behauptet genau das Gegenteil: Wenn die Trades unabhängig sind, hängt die Wahrscheinlichkeit des nächsten überhaupt nicht von den vorherigen ab.
nach 1 Verlust 45 %, nach 4 Verlusten in Folge dieselben 45 %
Was sich tatsächlich ändert, ist Ihre Einschätzung der Wahrscheinlichkeit einer langen Serie. Bei einer Trefferquote von 45 % kommen fünf Verluste in Folge auf einer Distanz von hundert Trades mit einer Wahrscheinlichkeit von 92 % vor: Das ist die Norm und kein Defekt. Der Spielerfehlschluss ist nicht für sich gefährlich, sondern weil er fast immer im Paar mit dem Revenge-Trading auftritt — es wächst nicht nur die Sicherheit, sondern auch das Volumen.
Kontrollillusion: warum mehr Analyse nicht mehr Geld bringt
Je mehr Mühe in die Vorbereitung gesteckt wurde, desto stärker das Gefühl, der Ausgang hänge von Ihnen ab. Am Devisenmarkt ist dieses Gefühl falsch: Die Kursbewegung wird vom Orderfluss bestimmt und nicht von der Qualität Ihrer Chartmarkierung. Die Markierung beeinflusst nur, ob Sie in Situationen mit Vorteil einsteigen.
Bestätigungsfehler und was man dagegen tut
Nach dem Eröffnen einer Position ändert sich die Wahrnehmung sofort: Argumente für Ihre Seite wirken gewichtig, dagegen sprechende an den Haaren herbeigezogen. Das ist keine Charakterschwäche, sondern eine Grundeigenschaft der Aufmerksamkeit, und sie wirkt bei allen.
Der brauchbare Kniff ist einer und er ist mechanisch: Die Ausstiegsbedingung wird vor dem Einstieg aufgeschrieben. Nicht «ich sehe je nach Lage», sondern ein konkretes Level und ein konkretes Ereignis. Eine vor dem Einstieg aufgeschriebene Bedingung gehört Ihnen von gestern — jenem, der keine offene Position und damit keine Verzerrung hatte.
Prüfung an sich selbst. Nehmen Sie die zehn letzten Trades und suchen Sie jene, bei denen der Stopp weiter vom Einstieg weggeschoben wurde. Suchen Sie dann jene, bei denen der Take weiter in Gewinnrichtung geschoben wurde. Bei der überwältigenden Mehrheit gibt es von den ersten deutlich mehr — genau das ist der Bestätigungsfehler in Reinform, mit eigenen Händen gemessen.
Warum das Wissen um eine Verzerrung sie nicht aufhebt
Verzerrungen wirken schneller als die bewusste Kontrolle: Die Entscheidung entsteht früher als ihre Erklärung. Deshalb ist der einzige verlässliche Weg, die Entscheidung aus dem Moment herauszunehmen.
Einstiegsbedingungen, Stopp, Take und maximales Volumen werden im Handelsplan festgehalten, bevor das Terminal geöffnet wird. Im Moment des Trades bleiben keine Entscheidungen übrig.
gegen alle achtTägliches Verlustlimit und Trade-Limit schneiden eine Reihe von Entscheidungen ab, die alle in demselben verzerrten Zustand getroffen wurden.
gegen den SpielerfehlschlussEin Handelstagebuch mit dem Feld «Zustand vor dem Einstieg» nimmt dem Rückschaufehler das Material: Der Eintrag entstand, bevor der Ausgang bekannt war.
gegen die VerzerrungZwei Paare, ein Zeitrahmen, zwei bis drei Werkzeuge zur Chartmarkierung. Je weniger Eingangsdaten, desto kleiner die Angriffsfläche für die Kontrollillusion.
gegen die KontrollillusionSunk-Cost-Fehler und Rezenzeffekt: zwei teure Paare
Diese beiden Verzerrungen wirken in entgegengesetzte Zeitrichtungen und werden deshalb selten gemeinsam erkannt. Die erste hält Sie in einer vergangenen Entscheidung fest, die zweite lässt Sie die Regeln nach den letzten drei Trades umschreiben.
Was jede bewirkt
weder Swap noch Zeit in der Position noch gezahlte Kommission gehen in diese Funktion ein — sie sind bei jedem Ausgang bereits ausgegeben
Der Kniff gegen die erste wirkt mechanisch: Die Ausstiegsbedingung wird beim Einstieg als Order gesetzt, und die Position schließt ohne Ihr Zutun. Gegen die zweite hilft die Kalenderüberprüfung: Regeln ändern sich am ersten Samstag des Monats und nur bei einer Stichprobe von mindestens dreißig Trades. Beide Kniffe nehmen die Entscheidung aus dem Moment heraus, in dem die Verzerrung aktiv ist.
Prüfung am eigenen Export: was man im Bericht sucht
Eine Verzerrung kann man an sich selbst nicht direkt sehen — sie wirkt schneller als das Bewusstsein. Dafür bleiben ihre Spuren in den Zahlen. Unten steht, was genau man am Terminal-Export der letzten hundert Trades berechnet.
| Was zu berechnen ist | Wie | Anzeichen der Verzerrung |
|---|---|---|
| Risiko in Geld nach Datum | Die Spalte «Verlust beim Stopp» in Trade-Reihenfolge | Eine Stufe nach oben nach einer Stoppserie — Spielerfehlschluss und Revenge-Trading |
| Anzahl der Stoppverschiebungen | Ersten und letzten Stopp-Level im Trade vergleichen | Verschiebungen gegen die Position gibt es, in Gewinnrichtung fast keine |
| Durchschnittliche Trade-Dauer | Getrennt für Gewinner und Verlierer | Verlierer werden länger gehalten — versunkene Kosten und Disposition |
| Zahl der Regelversionen pro Quartal | Nach den Änderungsdaten im Tagebuch | Mehr als drei — Rezenzeffekt |
| Zahl der Instrumente | Eindeutige Symbole im Export | Mehr als fünf bei einem System auf zwei Paaren — Kontrollillusion |
| Ergebnis nach Tagesstunden | Ergebnissumme aufgeschlüsselt nach Einstiegsstunde | Ein Einbruch am Ende der Session ist Müdigkeit und keine Verzerrung |
Häufige Fragen
Worin unterscheidet sich eine kognitive Verzerrung von einer Emotion?
Eine Emotion ist ein Zustand, eine Verzerrung eine Art der Informationsverarbeitung. Angst hält davon ab, den Knopf zu drücken, der Bestätigungsfehler lässt den Chart anders lesen. In der Praxis treten sie gemeinsam auf: Die Verzerrung sucht Argumente für das, was die Emotion will.
Kann man sich antrainieren, Verzerrungen nicht zu erliegen?
Vollständig nein, und Versuche sind vergeblich. Deutlich sinkt die Häufigkeit: Ist die Entscheidung im Voraus getroffen und aufgeschrieben, hat die Verzerrung nichts zu verzerren. Genau deshalb ist der ganze Bereich zur Disziplin um Mechanismen herum gebaut und nicht um Selbstkontrolle.
Gibt es Verzerrungen, die helfen?
Ja — Optimismus beim Lernen: Ohne ihn hielte niemand das erste Jahr durch. Aber er hat denselben Preis wie die übrigen: Er hindert auch daran, rechtzeitig anzuerkennen, dass die Strategie keinen Vorteil hat. Der Nutzen hängt davon ab, an welcher Stelle er wirkt.
Wie erkennt man, welche Verzerrung die eigene ist?
An den Spuren im Tagebuch: Die Spalte «Spur in der Statistik» in der Tabelle oben nennt genau die überprüfbaren Anzeichen. Eine schnelle Selbstprüfung nach Verhalten steht in der Karte der eigenen Ausrutscher.