Ruinrisiko im Forex
Eine positive Erwartung garantiert nicht, dass das Konto bis zu ihr überlebt. Das Ruinrisiko im Forex ist die Wahrscheinlichkeit, einen bestimmten Drawdown früher zu erreichen, als sich der Systemvorteil zeigt. Das ist die wichtigste Zahl bei der Wahl der Positionsgröße, und sie fällt fast immer höher aus als erwartet.
Berechnung: 8.000 Szenarien über die angegebene Trade-Zahl, Risiko als Prozentsatz der aktuellen Equity. Das Konto gilt beim Erreichen der Drawdown-Schwelle vom Hoch als verloren — danach stoppt das Szenario. Zufallsgenerator mit festem Startwert: gleiche Eingaben liefern immer dieselbe Antwort.
Wahrscheinlichkeit, das Konto im Forex zu verlieren: warum das eine Simulation ist und keine Formel
Die klassische Formel für das Ruinrisiko wurde für Einsätze fester Größe und für Ruin als Erreichen von null hergeleitet. Hier ist weder das eine noch das andere erfüllt: Das Risiko wird als Prozentsatz der aktuellen Equity genommen, deshalb wird das Konto formal nie null, und als «Ruin» ist sinnvollerweise jener Drawdown zu betrachten, nach dem ein Mensch aufhört zu handeln.
Equity nach dem Trade = Equity × (1 − Risiko) bei Verlust
das Szenario stoppt, wenn (Hoch − Equity) ÷ Hoch ≥ Schwelle
Das Ergebnis wird als Median gezeigt, nicht als Mittelwert. Den Mittelwert über die Szenarien ziehen seltene Glückspfade nach oben: Bei hohem Risiko ergab sich ein «mittleres Ergebnis von +1069 %», obwohl neun von zehn Konten das Ende der Distanz nicht erlebten. Der Median beschreibt den typischen Ausgang ehrlicher.
Tabelle: derselbe Vorteil, unterschiedliche Positionsgröße
Trefferquote 45 %, Verhältnis 1:2, Distanz 200 Trades, Ruinschwelle ein Drawdown von 30 %. Die Erwartung pro Trade ist in allen Zeilen gleich: +0,35 R.
| Risiko pro Trade | Risiko, −30 % zu erreichen | Medianergebnis | Durchschnittlicher maximaler Drawdown |
|---|---|---|---|
| 0,5 % | weniger als 0,1 % | +41 % | 5,0 % |
| 1 % | weniger als 0,1 % | +97 % | 9,7 % |
| 2 % | 3,6 % | +270 % | 18,6 % |
| 3 % | 28,5 % | +508 % | 25,4 % |
| 5 % | 91,5 % | +110 % | 30,5 % |
Das ist keine Ertragsprognose. Der Vorteil ist im Modell per Aufgabenstellung gesetzt: Es wird angenommen, dass Sie ihn haben und dass er zweihundert Trades lang bestehen bleibt. Im Leben ist das die stärkste aller Annahmen. Zu betrachten ist hier nicht die Ergebnisspalte, sondern das Verhalten der äußeren Spalten bei unveränderter Erwartung.
Die letzte Zeile ist die nützlichste Beobachtung der Tabelle. Bei einem Risiko von 5 % ist das Medianergebnis niedriger als bei 3 %, obwohl die Erwartung dieselbe ist: Neun von zehn Konten erreichen die Schwelle und stoppen. Eine größere Positionsgröße erhöht sowohl das Tempo als auch die Wahrscheinlichkeit auszuscheiden — und die zweite Größe wächst schneller.
Wie man das bei der Wahl des Risikos nutzt
Nicht «wie viel bin ich theoretisch bereit zu verlieren», sondern «nach welchem Drawdown höre ich auf, nach Regeln zu handeln». Bei den meisten sind das 20–30 % und nicht 50.
Schritt 1Aus einer Stichprobe ab dreißig Trades und nach Fakten, nicht nach Plan. Das geplante Verhältnis liegt fast immer über dem tatsächlichen.
Schritt 2Eine vernünftige Orientierung ist nicht mehr als 5 % Chance, die Schwelle auf der Distanz zu erreichen, die Sie in einem Jahr abhandeln wollen.
Schritt 3Wenn das Risiko in Dollar im Tagebuch von Trade zu Trade schwankt, ist die Rechnung sinnlos: Zu rechnen ist mit dem maximalen, nicht mit dem mittleren.
Schritt 4Was man mit dem Ergebnis der Rechnung macht
Die Zahl allein ist keine Entscheidung. Unten steht, was sie bedeutet und welche Handlung daraus folgt, je nach Bereich.
3 % → 28,5 %, 1,5 % → etwa 2 % bei gleicher Trefferquote, gleichem Verhältnis und gleicher Distanz
Die Nichtlinearität in der letzten Formel ist der wichtigste praktische Gedanke dieser Seite. Die Intuition legt nahe, dass halbes Risiko eine halb so große Chance auf ein Problem bedeutet; tatsächlich ist der Gewinn um eine Größenordnung größer. Genau deshalb handeln erfahrene Trader mit Volumina, die Anfängern unbegründet bescheiden erscheinen.
Grenzen des Modells: was die Rechnung nicht berücksichtigt
Das Modell dient der Größenordnung, nicht der genauen Prognose. Unten stehen alle darin enthaltenen Annahmen und die Richtung, in die jede das Ergebnis verschiebt.
| Annahme | Wie es im Leben ist | Wohin es die Antwort verschiebt |
|---|---|---|
| Die Trades sind unabhängig | Sie hängen über die Marktphase zusammen: Ungünstige Bedingungen kommen in Serie | Das reale Risiko liegt über dem berechneten |
| Die Trefferquote ist konstant | Sie ändert sich mit der Zeit und nach Systemänderungen | Das reale Risiko liegt über dem berechneten |
| Das Risiko ist streng fixiert | Es schwankt: eine Streuung um das 2–3-Fache kommt häufig vor | Das reale Risiko liegt über dem berechneten |
| Die Kosten werden nicht gesondert berücksichtigt | Sie gehen in das Verhältnis Risiko/Gewinn ein, wenn dieses nach Fakten genommen wurde | Neutral bei korrekten Eingaben |
| Die Drawdown-Schwelle wird eingehalten | Ein Teil der Trader handelt jenseits der Schwelle weiter | Die realen Verluste sind größer als die des Modells |
| Es gibt keine Einzahlungen | Nachschießen nach einem Verlust ist typisches Verhalten | Die realen Verluste sind größer als die des Modells |
Aus der Einseitigkeit der Verschiebungen folgt eine einfache Leseregel: Die erhaltene Zahl ist als untere Schätzung zu verstehen. Zeigt der Rechner 5 %, liegt der reale Wert eher darüber als darunter. Die vollständige Liste der Annahmen aller Berechnungen der Website steht auf der Seite der Methodik.
Häufige Fragen
Was ist risk of ruin in einfachen Worten?
Die Wahrscheinlichkeit, das Konto zu verlieren, bevor das System seinen Vorteil zeigen kann. Sie hängt von drei Dingen ab: der Risikogröße pro Trade, der Qualität des Systems und der Länge der Distanz. Davon lässt sich das erste am schnellsten ändern — deshalb beginnt man genau damit.
Warum ist die Antwort bei negativer Erwartung immer schlecht?
Weil der Ruin bei negativer Erwartung eine Frage der Zeit ist und nicht der Wahrscheinlichkeit. Eine Risikosenkung streckt die Frist, ändert aber nicht den Ausgang. In diesem Fall muss man an der Strategie arbeiten und nicht an der Positionsgröße.
Wie sehr kann man dem Modell vertrauen?
Es liefert die Größenordnung, keine genaue Zahl. Die zentralen Annahmen: Die Trades sind unabhängig, Trefferquote und Verhältnis sind konstant, das Risiko ist streng fixiert. In der Realität sind alle drei verletzt, und meist nicht zu Ihren Gunsten — das tatsächliche Ruinrisiko liegt also über dem berechneten.
Welches Risiko pro Trade gilt als vernünftig?
Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht: Es hängt von Ihrer Trefferquote, dem Verhältnis und der Schwelle ab. Aber die Gesetzmäßigkeit ist stabil — die Wahrscheinlichkeit eines tiefen Drawdowns wächst schneller als das Medianergebnis, deshalb kostet eine Risikoerhöhung fast immer mehr, als es allein nach der Rendite scheint.